Skip to main content

Augen auf beim Katzenkauf

So, so, Sie haben sich also entschieden – eine Rassekatze soll es sein. Vielleicht träumen Sie ja schon länger von einer bestimmten Rasse, oder sind Sie erst vor kurzem auf einer Ausstellung, durch Freundin’s Stubentiger oder ein Foto oder einen Artikel in einer Katzenzeitung “infiziert” worden? Wie auch immer – bevor Sie nun auf die Suche nach dem Traumpfötchen gehen, nehmen Sie sich doch einen Moment Zeit, sich eine “Checkliste” aufzustellen.

Da wäre zunächst mal die Frage “Wo fange ich an zu suchen?” Es ist ja nicht gesagt, dass ein Züchter Ihrer Traumrasse griffbereit in der Nachbarschaft wohnt – und selbst wenn, hat der vielleicht im Moment gerade keine Kitten, oder die Elterntiere sind Ihnen nicht übermäßig sympathisch. Ich rate ehrlich gesagt am Liebsten zum Internet für den Kopfsprung ins kalte Such – Wasser. Es gibt mittlerweile einige sehr empfehlenswerte virtuelle Rassekatzenvermittlungen, hier können Sie leicht in Erfahrung bringen, welcher Züchter derzeit oder in Kürze Kitten abzugeben hat, einen Wurf erwartet oder für ein älteres Tier, eventuell einen Kastraten, ein neues Zuhause sucht.

In der Regel sind Sie nur einen Mausklick von der Homepage des Züchters entfernt und können so schon mal einen ersten Eindruck von den Elterntieren, den Kitten und dem ganzen “Drum und Dran” bekommen. Mit einem weiteren Mausklick können Sie sich direkt mit den Züchtern in Verbindung setzen, deren Kitten Sie spontan in die engere Wahl genommen haben (ein kleiner Tipp am Rande: notieren Sie sich vorsichtshalber die Adresse der Homepage, den Catterynamen und den Namen des Züchters, falls vorhanden auch die Telefonnummer dazu, denn nach ein, zwei Tagen haben Sie bei der Fülle des Angebots vielleicht schon die Übersicht verloren.

Nach der Vorauswahl stehen nun Besuche an – und nun kommen wir zur größten Herausforderung für alle Katzenkäufer: inmitten all der bezaubernden Kitten nicht völlig den Kopf zu verlieren. Wer schonmal einen Raum voll spielender Kitten betreten hat (äußerst vorsichtig, selbstverständlich, um auf keinen Fall auf kleine Pfötchen oder Schwänzchen zu treten), kennt dieses spontane “am Liebsten würde ich sie alle mitnehmen” – Gefühl. Bevor Sie aber der verständlichen Begeisterung die Zügel schießen lassen, gilt es, erst noch einige wichtige Punkte abzuklären.

1. Allgemeinzustand der Kitten

Gesunde Kitten sind spielfreudig und neugierig auf die Welt um sie herum. Achten Sie auf Anzeichen von Krankheiten – fallen beim Streicheln winzige dunkle Krümelchen aus dem Fell, kann das ein Anzeichen von Flohbefall sein. Dunkle Punkte bzw gar Verkrustungen in den Ohren können von Milben verursacht worden sein, laufende Nase und verklebte Augen sind ebenso Anzeichen für Probleme wie kotverschmiertes Hinterteil. Im Zweifelsfall fragen Sie nach. Auch dem besten Züchter kann es passieren, dass die Tiere sich erkälten oder Durchfall bekommen, oder dass Parasiten eingeschleppt werden. Ein seriöser Züchter kennt seine Tiere und wird im Zweifelsfall sofort tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen – und Ihnen Fragen, gerade zur Gesundheit, offen beantworten.

Natürlich gibt es in jedem Wurf das berühmte Sensibelchen, das sich Besuchern nur unter größten Vorbehalten nähert, geschweige denn sich von Fremden anfassen lässt – sind aber alle Kitten des Wurfes verschüchtert oder regelrecht verängstigt und verkriechen sich gar, sollten Sie nachhaken. Bei seriösen Züchtern sind die Kitten genauso Familienmitglieder wie die Elterntiere, und werden liebevoll auf den Kontakt zum Menschen geprägt. Haben Sie den Verdacht, dass die Tiere ständig weggesperrt werden (wohlgemerkt, ich spreche nicht von einem extra Katzenzimmer, in dem die Mutter die ersten Wochen mit ihren Neugeborenen verbringt, sondern von Auswüchsen wie Keller- oder Einzelkäfighaltung), oder wird Ihnen im Extremfall gar einfach ein Kitten in den Schoß gelegt mit der Bemerkung, dieses wäre noch zu verkaufen, ohne dass Sie einen Blick auf die Wurfgeschwister oder Eltern werfen können, dann nehmen Sie Abstand vom Kauf. Ein seriöser Züchter hat nichts zu verbergen. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass ein Züchter Ihnen eventuell den Blick ins Babyzimmer und auf wenige Tage alte Kitten verwehrt, um einer möglichen Infektionsgefahr vorzubeugen. Im Allgemeinen werden Kitten im Alter von 12 bis 14 Wochen abgegeben, gelegentlich aus zwingenden Gründen auch später, aber keinesfalls vor der 12. Woche! Ein seriöser Züchter wird dem Kitten diese Sozialisierungszeit an der Seite der Mutter und der Geschwister lassen. Bietet jemand Ihnen ein jüngeres Kitten an, lassen Sie sich bitte nicht darauf ein! Und wenn auch die Wartezeit noch so lang ist – ein Kitten braucht diese wichtige Lern- und Erziehungsphase. Vielleicht können Sie Ihren Liebling ja regelmäßig besuchen?

2. Stammbaum und Impfzeugnis

Beides gehört zum Tier und wird individuell für das jeweilige Tier ausgestellt. Nehmen Sie sich Zeit, die Angaben zu prüfen – welche Impfungen hat die Katze bereits bekommen, wann wurde geimpft, bei welchem Tierarzt, wann sind Nachimpfungen fällig? Stimmen die Angaben im Stammbaum mit dem Tier überein, sprich, sind Farbe und Zeichnung, Geschlecht und Wurfdatum korrekt eingetragen? Jedes Kitten wird unter einer eigenen Nummer beim ausstellenden Verein registriert, sollten also zwei Kitten dieselbe Zuchtbuchnummer haben, kann hier etwas nicht stimmen. Auch hier – wie eigentlich immer – gilt: fragen Sie nach! Wer sich zum ersten Mal mit Stammbäumen beschäftigt, fragt sich vielleicht verwirrt, was die verschiedenen Eintragungen bedeuten. Der Züchter wird sich aber sicher gerne die Zeit nehmen, Ihnen Erklärungen zu geben.

3. Kaufvertrag

Kein Kauf ohne Vertrag! Im Zweifelsfall ist der Vertrag der Beweis, dass Sie die Katze rechtmäßig erworben haben, also lassen Sie sich bitte nicht auf den “Handschlag” ein. Die Kaufverträge variieren von Züchter zu Züchter, aber unbedingt enthalten sein müssen:
– Name und Anschrift des Züchters
– Name und Anschrift des Käufers
– voller Name des Tieres, Geburtsdatum, Zuchtbuchnummer, Geschlecht, Farbe und Zeichnung, eventuell auch Namen der Eltern
– wurde das Tier als Zucht- oder Liebhabertier verkauft?
– Kaufpreis, abzüglich eventuell bereits geleisteter Anzahlung
– Ort, Datum, Unterschriften
Darüber hinaus enthalten die meisten Kaufverträge weitere Klauseln, z. B. zur Gewährleistung bei Krankheiten. Mit Liebhabertieren darf nicht gezüchtet werden. Manche Züchter räumen dem Käufer die Möglichkeit ein, später den Differenzbetrag für ein Zuchttier nachzuzahlen – das ist aber bitte nicht als Aufforderung zu verstehen, später mal fröhlich draufloszuzüchten. Andere Züchtern schreiben im Kaufvertrag fest, dass der Stammbaum des Liebhabertieres erst gegen Nachweis der Kastration ausgehändigt wird. Bitte verstehen Sie diese Klausel so, wie sie gemeint ist: als Schutz des Tieres. Nicht jeder ist so ehrlich wie Sie und möchte einfach ein vierbeiniges Knuddelpaket – es gibt genug unseriöse Vermehrer, die möglichst billig zu einem “Zuchttier” kommen möchten.

Praktisch jeder Züchter räumt sich ein Vorkaufsrecht für von ihm abgegebene Tiere ein. Natürlich denken Sie jetzt “Nee, ich gebe doch meinen Liebling nicht mehr her!”. Es können aber jederzeit Umstände eintreten, die es Ihnen unmöglich machen, ihre Katze weiter zu halten, und in diesem Fall möchte der Züchter sichergehen können, dass die Katze nicht einfach ohne sein Wissen weiterveräußert wird oder gar am Ende im Tierheim landet. Sollten Sie mündliche Absprachen mit dem Züchter getroffen haben (deren gibt es so viele, dass ich sie hier nicht alle aufzählen kann), sollten die unbedingt im Kaufvertrag erwähnt werden, zu Ihrer eigenen und auch des Züchters Sicherheit.